Reitwein

1316 wurde der Ort erstmals in einer Urkunde als Ruthewyn genannt. Der Name ist wahrscheinlich abgeleitet von dem slawischen Wort Rutewina für Weg durch den Morast. Bis zur Trockenlegung des Oderbruchs unter Friedrich dem Großen war der Ort ein Fischerdorf. Waldemar "der Große" (Markgraf von Brandenburg) belehnte das Dorf seinerzeit an FrankfurterBürger. Im Jahre 1414 wurde dort die erste Reitweiner Kirche gebaut. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Dorf Rittersitz der Herren von Burgsdorff.
aus Sammlung Duncker
Reitwein, auch Reuthwein und Ruthewyn geschrieben, das Berghaus von einem slawischen Worte "Rutschewina", d. i. morastige Gegend, herleiten will, ist ein alter Ort Markgraf Waldemar der Grosse verkaufte Ruthewyn, das ihm also eigenerbthürnlich gewesen, 1316 mit allem Zubehör, mit dem See Prisszenesken und 5 Pfund Pfeffer, die davon zu entrichten waren, mit dem oberen und unteren Gerichte, frei von allen Beden und Diensten, für 147 Mark Brandenburgischen Silbers den Frankfurtischen Bürgern Jacob von Gummer und Johann Schyele, die damit zu gesammter Hand belehnt wurden. 1336 trat Markgraf Ludwig das Dorf Ruthewyn, das also wieder an den Landesherrn gekommen sein musste und den See Piscenige an den Rath zu Frankfurt tauschweise gegen das halbe Dorf Tuchband und das halhe Dorf Maatzinova ab. 1414 erhielt Lorenz Beier, ein Frankfurtischer Rathsherr, Hebungen zu Ruthewyn. 1572 erhielt der Rath zu Frankfurt die landesherrliche Erlaubniss, sein Dorf Reuthwein dem Caspar Von Platow erblich zu überlassen und dafür, was dieser in Boosen besass, tauschweise anzunehmen. Bei diesem Kauf blieb der Rath dem Churfürsten lehnspflichtig wegen Reitwein, der von Platow wurde Afterlehnsmann des Rathes. Die von Platow, sie führten im Wappen drei Rosen und auf dem Helme drei Gartenlilien mit verschlungenen Stengeln, erhielten sich fast ein Jahrhundert im Besitz von Reitwein, doch gewann der Hofmarschall Hans von Thümen 1590 den Pfandbesitz, der auf seinen Sohn Hans Georg überging. Im Jahre 1666 bei dem Concurs der von Platow'schen Erben kaufte Herr Joachim Erdmann von Burgsdorff Reitwein, bei dessen Familie es geblieben ist, bis diese Linie des edlen Burgsdorff sehen Geschlechts in seinem Mannesstamm ausging und die Erbtochter Erdmuth Amalie von Burgsdorff es im Jahr 1849 an ihren Gemahl, den Grafen Rudolf Finck von Finckenstein vererbte, in dessen Besitz sich Reitwein gegenwärtig befindet.
Bis 1414 war Reitwein nach Lebus eingepfarrt. Das Fischereigewerbe wurde namentlich in früherer Zeit sehr schwunghaft betrieben. Die Feldmark Reitwein's liegt, mit Ausnahme des Forstes und einer Ackerfläche von 200 Morgen, in der Oberniederung, sie gehört zu den fruchtbarsten im Lebuser Kreise, der Boden giebt das vierte oder fünfte Korn. Die herrschaftlichen Felder werden in Schlägen bewirtschaftet: 1100 Morgen in acht Schlägen, 600 Morgen in sieben Schlägen, 300 Morgen in sechs Schlägen, 200 Morgen auf der Höheebenfalls in sechs Schlägen. Der Rindviehstand von Oldenburger Zucht besteht auf dem Gute aus 112 Haupt, es werden 12 Mastochsen aufgestellt. Die Schäferei zählt 2000 Stück veredelte Schafe. Zwanzig Zuchtsäue, 80 Schweine und 24 Pferde werden auf dem Gute gehalten. Die Plateau- Abhänge nach der Oberniederung sind mit Eichen, Birken, Buchen, Eschen, Ahorn und Acazien bewachsen und werden als Mittelwald behandelt; der Forst auf dem Plateau dagegen besteht aus Kiefern in 60jährigem Umtriebe.
Das Schloss liegt in einem englischen Park, den der jetzige Besitzer angelegt hat. Die Kirche und der Thurm sind in den Jahren von 1856 und 57 an der Stelle der alten unzulänglichen ganz neu erbaut worden und zwar in gothischem Styl nach einer Zeichnung des Oberbauraths Stüler.
Das Reitweiner Schloss (Gutshaus) entstand zwischen 1697 und 1700 als zweigeschossiger Putzbau mit einem reich ornamentiertem Hauptportal.
In dem Schloss hatte Friedrich II. vor der Zorndorfer Schlacht sein Hauptquartier, und verbrachte unmittelbar nach der Niederlage in der Schlacht bei Kunersdorf im Jahr 1759.
Ein anderer berühmter Gast war Theodor Fontane, der einen der fiktiven Handlungsorte seines historischen Romans "Vor dem Sturm" in der Nähe Reitweins ansiedelte.
In der Folgezeit eingemeindete Ortsteile waren die Reitweiner Loose, Hathenower Wiesenund das Göritzer Vorwerk samt Loose.